Sunday, 29. April 2007
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung von „Geteilte Beute – Comics und Literatur“ in der Galerie Neurotitan am Hackschen Markt in Berlin, hab ich die Gelegenheit den Berliner Comiczeichner Mawil zu treffen.
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Hier wird heute Abend die Release des Schreibheftes 68 gefeiert, für das Mawil gemeinsam mit Jochen Schmidt einen Comic beigesteuert hat. Als ich die Galerie betrete, hält Jochen Schmidt gerade eine Lesung. Neben anderen Comiczeichnern hängen auch Mawils Bilder für das Schreibheft an der Wand.
Auch wenn es sich dabei um eine Adaption einer autobiographischen Geschichte von Jochen Schmidt handelt, bleibt Mawil seinem Metier, für das er bekannt geworden ist treu – dem autobigraphischen Comic. Während seinem Studium schloss er sich mit anderen Comiczeichnern zu der Gruppe Monogatari zusammen, die mit ihren Comicreportagen bekannt geworden sind. Von Mawil erschien seine Diplomarbeit Wir können ja Freunde bleiben und Die Band in denen er aus seinem Leben erzählt. „Man muss dafür schon ein bisschen exhibitionistisch veranlagt sein“, erzählt er mir, als wir später im Innenhof des Hauses Schwarzenberg auf einer Treppe sitzen. „Aber ich kann so mehr Leidenschaft hineinlegen und dann fällt es mir leichter zu arbeiten.“
Daneben erschienen Comics mit seinem Alter Ego „Supa Hasi“, einem kleinen Hasen mit Nickelbrille. U. a. erhielt dabei Strandsafari den ICOM Independent Preis 2003. „Die Leute sagen inzwischen ‚Ah, das ist der Hasenzeichner!’, ohne meinen Namen zu kennen. Es ist einfacher, wenn man eine Figur hat, mit der man bekannt werden kann.“
Im vorderen Teil der Galerie, einem ausgesuchten Bücherladen, treffen wir Jochen Schmidt, der ganz begeistert ist, wie viele Mädchen seine Texte unter Mawils Bildern an der Wand lesen. „ Was für den Musiker die Bühne ist für mich die Ausstellung“, meint Mawil, „Da bist du dabei, wenn die Leute deine Bilder anschauen. Sonst kriegste das ja nicht mit, wenn sie deine Bücher unter der Bettdecke verschlingen.”
Saturday, 28. April 2007
Auf dem Kurfürstendamm in Berlin biegt man am Europacenter nach rechts ein und steht vor einem prunkvollen Gebäude aus der Gründerzeit. Im Innenhof erwartet mich Torsten Schrank und führt mich in sein kleines Studio, das er sich mit zwei weiteren Character Designern teilt.
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„An dieser großen Adresse haben wir uns in den hintersten und kleinsten Winkel verzogen“, lacht er bei der Begrüßung. Auch er arbeitet im Filmgeschäft und führt ähnlich wie Gabor Steisinger ein Nomadenleben. Zumindest hat ihn seine Arbeit als Character Designer für Trickfilme von Berlin nach Valencia und von dort nach Barcelona geführt. Den ganz großen Schritt nach Sydney zu den Disney Studios hat er zu Gunsten einer Rückkehr nach Berlin ausgeschlagen.
Als Character Designer arbeitete er an Donkey Xote und hat sich seit dem auf diesen Bereich spezialisiert, nach dem er davor Lead Key Clean Up Artist bei El Cid war und eigentlich vor hatte klassischer Animator zu werden. Aber das Character Design scheint der Bereich zu sein, in dem er sich nun am wohlsten fühlt. Hier werden die Figuren geschaffen, die später die Hauptrolle in Kinofilmen spielen, in Computerspielen auftauchen oder in TV Serien und Werbespots. Wie bewegt sich die Figur, welche Stimmung strahlt sie aus?
Die ganze Wand über seinem Arbeitsplatz ist voll mit Figuren aus aktuellen Projekten und er erklärt mir wie sich eine Figur im Laufe der Pre-Production verändert. Manche Figuren werden jünger, von anderen gibt es komplett unterschiedliche Charakterentwürfe. Man muss aufpassen, dass man sich nicht zu sehr in die Figuren hineinfühlt, erklärt er mir, denn sonst wird der Arbeitsprozess mit seinen Veränderungen und Problemen in der Produktion emotional sehr belastend.
Saturday, 28. April 2007
Ich bleibe im Cartoon Film Studio und gehe einen Zeichentisch weiter zu Ralph Niemeyer. Er arbeitet direkt neben Gabor Steisinger und ist Setdesigner und Layouter für „Dodo – der Film“
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Als ich ihn treffe, bespricht er mit einem Hintergrundmaler die Details einer Wohnhöhle im Urwald – ein Set, das er entworfen hat. Jedes Setdesign steckt voller Informationen, Gegenständen und Spielflächen für die Figuren. Da kann auch viel missverstanden werden und jeder abweichende Millimeter kann enorme perspektivische Verzerrungen bedeuten. Daher ist der Ausstausch in Studios sehr wichtig.
Das und viele andere nützliche Dinge, die ihm nun beim Setdesign helfen hat er während seiner bisherigen Karriere gelernt: Er hat schon als Elektrotechniker, Fahrer beim Sender Freies Berlin, Beleuchter und Requisiteur gearbeitet und bei Michail Posin die Malerei studiert. Geometrische Konstruktionen, Lichttechniken, Kameraeinstellungen und vieles mehr: „Jede Ecke muss so aussehen, als sei dort schon viel passiert, sonst ist da kein Leben drin.”
Denn hier entsteht die Welt in der später der Film spielen wird und obwohl die Figuren meist im Vordergrund stehen, spielt auch das Setdesign immer eine Hauptrolle. Es gibt dem Film den Charakter und die Bühne.
Saturday, 28. April 2007
In den Höfen am Südstern in Berlin findet man nicht nur das Sputnik Filmtheater und Jung von Matt, sondern seit einem Monat auch Cartoon Film. Ganz oben unterm Dach mit einem wunderbaren Ausblick von den vielen kleinen Balkonen sitzen seit kurzem die Macher von Laura, Lars und Dodo.
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Ich treffe mich mit Gabor Steisinger, Animator und Storyboardzeichner, und er gibt mir einen umfassenden Einblick in die Welt der Trickfilmzeichner. Das Studio sieht etwas provisorisch aus, an manchen Ecken wird noch eingerichtet und gebaut, während ein Teil von Cartoon Film noch in der alten Adresse in der Bergmannstraße arbeitet. Gabor Steisinger arbeitet nun seit sieben Jahren in Berlin. Fast schon ungewöhnlich lange. „Man darf nie vergessen, dass man als Animator ein Nomade ist.”
Daher hat er auch einiges zu erzählen. Von seinen Anfängen beim Puppentrickfilm in Dresden, seinen ersten Filmen in den DEFA Studios in Potsdam und Dresden, die Zusammenarbeit mit Don Bluth, erst vier Jahre in Dublin und dann sechs Jahre in Phoenix, Arizona. Neben Don Bluth arbeitete er schon für Fox Animation, MTV, und Disney. Dabei entstanden Filme wie z. B. Anastasia, Titan A. E., Bärenbrüder und jetzt in Berlin Lauras Stern oder Lars, der Eisbär.
Ich erfahre auf was für unterschiedliche Weisen Storyboards entstehen können, wie viel Schauspielerblut in einem Animatoren stecken muss und bekomme eine Vorführung der Storyboards für Dodo, bei denen Gabor Steisinger sowohl alle Sprechrollen, als auch Geräuscheffekte übernimmt. „Jede Geschichte bringt ihren eigenen Stil mit,“ erzählt er mir. „Deswegen habe ich selber nicht wirklich einen eigenen Stil. Ein eigener Stil ist immer das Unvermögen, es anders nicht zu können.“
Friday, 27. April 2007
In der Pappelallee in Berlin, schräg gegenüber vom Club der Republik führt eine Einfahrt in einen wunderschönen Innenhof. Durch große alte Fenster blickt man in das Atelier Gute Gründe und Rinah Lang erwartet mich an der Tür.
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Hinten in der kleinen Küche bekomme ich einen Kaffee gekocht und weil der Weg zur Eingangstür durch die Atelierräume so lang ist, steigt man hier durchs Fenster ein und aus. Wir sitzen in der Sonne im Innenhof und Rinah Lang erzählt mir von ihren Anfängen als Magazinillustratorin. Sie arbeitet für Soda, Die Zeit, Stern, Brigitte, Mens Health und viele mehr. Nach ihrem Studium in Holland gründete sie mit Sybille Hein und sechs weiteren Illustratoren ihr Atelier in Berlin. In den hohen Räumen hat sich jeder eine schöne Arbeitsecke eingerichtet, überall liegen frische Zeichnungen herum, Papierschnipsel, Stoffberge, Bücher. Man will am liebsten gleich anfangen mitzubasteln.
2006 machte Rinah Lang einen Ausflug in die Modeillustration und zog nach Ancona zu Fornarina. Sie erzählt mir von den Abläufen in der Modeillustrationsindustrie und warum sie wieder zurückgekehrt ist nach Berlin und zum Zeitschriftenmarkt. So leicht ihre Collagen und gesrcibbelten Zeichnungen daherkommen, dahinter liegt immer ein tieferes Thema, das Rinah Lang wichtig ist und das sie braucht, um überhaupt kreativ arbeiten zu können. „Ich komm mir schnell doof vor nur Blümchen zu malen.”, sagt sie. Auf ihrem Tisch liegen die Einzelteile für eine neue Arbeit. Ausgeschnittene Haarschöpfe, gemalte Handtäschchen, ein anderes Blatt voller Zahlen in Wasserfarben. In ihren Bildern dekonstruiert sie nicht nur die natürlichen Perspektiven, sondern auch den schönen Glanz des Seins.
Wednesday, 18. April 2007
“Bist Du Flo?”, fragt mich jemand auf den Eingangsstufen des Bonner Hauptbahnhofs. Es ist Lars Henkel vom Reflektorium, der mich netterweise sogar vom Bahnhof abholt.
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Ich bekomme einen persönlichen Stadtrundgang mit einem Zwischenstop im Café Einstein. Bei einem Milchkaffee erzählt mir Lars Henkel, wie seine Karriere als Illustrator mit den Artworks für Meret Becker begonnen hatte. Seine Bilder sind vor allem im Kulturbereich sehr gefragt – „in die Werbung pass ich nicht so richtig rein. Ich will mich auch nicht verbiegen müssen.“ Dass seine eigenen freien Projekte im gleichen Verhältnis zu den „Brotjobs“ stehen ist ihm wichtig. Dafür nimmt er sich immer wieder Zeit, wie zuletzt in Lissabon, wo er mit den Vorbereitungen für den Animationsfilm der Waldminiatur begonnen hat.
Ein besonderes Vergnügen ist es, mit Lars Henkel in seinen Lieblingscomicladen zu gehen. Mit dem Besitzer fachsimpelt er über den neuen Dave McKean Film und zeigt mir begeistert seine liebsten Zeichner und Bücher. Da ich ihm mindestens genau so viele zeigen kann, stöbern wir eine ganze Weile in dem wirklich toll sortierten Laden herum. Lars Henkel gründete während seinem Studium in Aachen mit Anja Struck und Mario Wagner das Reflektorium, durch das sie seitdem in ideeller Form verbunden sind und das ein Ort des Austausches geworden ist.
Bei sich zu Hause zeigt mir Lars Henkel die Originale seiner Orangebox Serie. Vielschichtig gemalte, collagierte und gezeichnete Bilder, für die die Unterseiten von Orangen-Holzkistchen als Malgrund dienen. So werden die „Leinwände“ zu richtigen Objekten. „Ich mag die Struktur dieses geschmirgelten Coccoina-Klebers.“, sagt er und streicht über das Bild, das ich gerade noch vorsichtig in den Händen hielt. „Ich muss die Oberflächen immer anfassen, wenn ich dürfte, würde ich das am liebsten auch bei Gemälden von anderen machen.“ Seine Bilder stehen in Bonn gerade alle im Keller, er ist nur provisorisch hier eingezogen. Bald geht es nach Stuttgart. Ich hoffe, ich kann mich dort mal mit einem Comic-Stadtrundgang revanchieren.